“Unser kleines Dorf. Berechnungen über die nächsten Jahre der Menschheit”
von Peter Angerer
gehört 02/2011, Seite 11
Im Westerndorf Hadleyville ist Marschall Will Kane gerade dabei, die junge Quäkerin Amy zu heiraten, als ein Bahnbeamte die Zeremonie stört, um dem Marschall ein Telegramm zu übergeben. Die Nachricht soll ihn vor einem Banditen warnen, der noch eine Rechnung zu begleichen hat und zu Mittag in Hadleyville eintreffen wird. Dem Marschall bleiben gerade ein paar Stunden, die Bewohner der Stadt auf seine Seite zu ziehen, doch die Bürger verschmelzen zu einer feigen Masse.
Es ist schließlich die von Grace Kelly gespielte Quäkerin, die gegen ihre religiöse Überzeugung handelt und ihren Ehemann vor dem Mordkomplott rettet. Mit High Noon gelang Fred Zinnemann 1952 eines der großen Meisterwerke des Kinos, das in der zeitgenössischen Kritik auch als Kommentar zur McCarthy-Ära gelesen wurde.
Von Hadleyville ausgehend kommt der Ich-Erzähler in dem Roman Jakob schläft (1997) des Schweizer Autor Klaus Merz nach Sodom und Gomorrha. Die Katastrophe überlebt nur Lost, während seine Frau für ihr Mitgefühl mit den Opfern der Katastrophe bestraft wird. “Ja, so läuft das eben, “dass seit jeher die herzlosesten Ignoranten, die Duckmäuser und Schleimscheißer, die wahrhaft Unmenschlichen am Schluss überleben und mit heiler Haut davonkommen”. Der Autor Merz sagt: “Wir müssen uns bewegen lassen hinzuschauen.” Die biblische Parabel ist für Merz auch eine Anleitung zu “Domestizierung durch das Schreckliche oder vor dem Schrecklichen”. „Gehört – Unser kleines Dorf“ weiterlesen